Dienstag, 6. September 2011

Workaholics voll im Trend?


Neulich war ich bei einer Bekannten zu Besuch, um mir ihre Wohnung anzusehen. Sie liegt mir schon seit Wochen in den Ohren, wann ich die Einladung zur Besichtigung endlich wahrnehme, dabei ist sie nicht einmal eine Freundin … Mein Verdacht, dass es sich bei der Einladung nur um eine willkommene Gelegenheit zum Protzen handelt, wurde recht schnell bestätigt. Trotzdem tat ich ihr diesen Gefallen und machte bei ihrem Spiel mit: „Oh, toll!“ „Wie geschmackvoll!“ „War bestimmt richtig teuer!“ Als sie mir dann noch ihr „Homeoffice“ präsentierte, musste ich mich wirklich zusammenreißen… Homeoffice? Früher hieß das Arbeitszimmer oder Büro! Und wofür überhaupt? Diese Bekannte ist Hausfrau! Und ich spreche hier nicht von einem Schreibtisch und einem Bürostuhl, sondern von einem komplett ausgestatteten Arbeitszimmer mit Aktenschränken und Ordnern im Regal. 

Aber heute ist es wohl „in“ ein Büro zu Hause zu haben. Wahrscheinlich weil viele Menschen schon so eins mit ihrem Job sind, dass sie sich nur noch darüber definieren … Komisch, ich bin immer froh, wenn ich Feierabend habe und die Arbeit hinter mir lassen kann. Ich kann ja wirklich nachvollziehen, wenn Menschen ein Büro benötigen, weil sie hin und wieder Arbeitsunterlagen mit nach Hause nehmen. Kommt bei mir auch schon öfters vor und dann bin ich auch wirklich dankbar, einen vernünftigen Schreibtisch und Bürostuhl zu besitzen, aber irgendwann ist auch mal gut … Ist es wirklich schon so weit gekommen, dass Menschen wie meine Bekannte sich minderwertig fühlen und deshalb so tun als benötigten sie ein Homeoffice?